13.11. - Abflug
In ein paar Minuten geht unser Flug nach Antsohihy. Spontan hat uns Jakob zwei Sitzplaetze angeboten, so dass wir nun schon heute und nicht erst am Wochenende losreisen. Angekommen in Antsohihy, haben wir 2 Wochen Zeit, unseren Weg durch dieses Land zu suchen. Bis dann!
11.11. - Ankavandra
Kurz vor meiner 2-woechigen Reise ergab sich eine Gelegenheit, mit MAF ein wenig durch die Gegend zu fliegen. Um 11:00 erfuhren wir, dass in Ankavandra eine Person angeschossen wurde und sie mit einem Medevac-Flug (Medizinischer Evakuierungsflug) nach Tana in ein Krankenhaus geflogen werden soll. MAF ist die einzige Fluggesellschaft, die auf der kurzen schlechten Piste in Ankavandra landen kann. 40 Minuten nach dem Anruf ging der Flug los, mit mir als Gelegenheits-Passagier.
Ankavandra befindet sich in der sogenannten "Zone rouge", einer beruechtigten Gegend von Madagascar. Viehdiebe machen den vielen kleinen Doerfern das Leben schwer. Die Strasse von Tana hoert 100km vor Ankavandra auf, das Dorf ist mit einem Fahrzeug sozusagen nicht zu erreichen. Die Polizei-Presaenz ist gleich null.
Der Flug dauerte nur 50 Minuten, die meiste Zeit entlang dem Hochplateau, das kurz vor Ankavandra abrupt endet und steil abfaellt in die Tiefebene, die bist zur Kueste reicht. Beim Ausstieg aus dem Flugzeug ueberrollte mich eine Hitzewelle wie ein Hammer, ich suchte sofort wieder den Schatten des Flugzeuges auf.
Der Verletzte lag bereits auf einer Trage im Schatten bereit. Den Doktor, den wir eingeflogen hatten, stabilisierte ihn fuer den Flug. Er war in der Leistengegend von einem Schuss getroffen worden, den ein Viehdieb auf in abgegeben hat. Nach nur 15 Minuten konnten wir wieder starten, zurueck nach Tana.
Abgesehen von ein paar Gewitterzellen verlief der Rueckflug ruhig, und wir konnten den Verletzten am Flughafen sicher einem Krankenwagen uebergeben.
10.11. - Blog-Kriese oder einfach zu lange hier?
Es ist sicher nicht unbemerkt geblieben - die Abstaende zwischen meinen Blog-Eintraegen werden immer laenger. Nicht dass das Leben hier langweilig geworden waehre. Aber nach mehr als 4 Monaten in Madagaskar habe ich langsam Schwierigkeiten, zu unterscheiden, was jetzt aussergewoehnlich ist und was einfach normal. Stromausfaelle werden zu Routine. Auch gelegentliche tropische Stuerme mit heftigen Regenfaellen. Das Taxi-B ist die einzige oeffentliche Verkehrsmoeglichkeit, und Platznot der Normalfall. Warum sich also darueber auslassen? Selbst Schweine auf Fahrrad-Ruecksitzen und wie die Henker ueberholende Taxi-Fahrer in Renault 4 gehoeren fuer mich zum taeglichen Bild. Vielleicht muss ich einen neuen Bolg starten wenn ich zurueck in Europa bin?
02.11. - Alpha Blondy
Sonntag um 11:00 gingen die Tore auf zum Alpha-Blondy-Konzert mitten in der Stadt. Drei Vorgruppen waren vor ihm dran. Die Arena ist riesig. Zu Beginn waren nur wenige Leute da, doch gegen 12:00 wurde es voll. Familien mit Kind und Kegel kamen und liessen sich das Ereignis fuer 3'000 Ariary (ca. 2 CHF) nicht entgehen.
Das Konzert war unterhaltsam und interessant. Mein einziges Problem waren die Sonne und die Hitze! Ohne eine Moeglichkeit, Schatten zu finden, trank ich Literweise Wasser und versuchte mich so gut wie moeglich zu schuetzen. So konnte ich am Abend ohne nennenswerten Sonnenbrand nach Hause gehen (ausser an den Zehen). Um so groesser dann meine Ueberraschung am naechsten Tag: Meine zwei Begleiter vom Sonntag, Charity, eine Scharze aus Nairoby, und Michel, ein Madagasse, hatten das Konzert nicht so gut ueberstanden. An diversen Stellen hatten sie sich Sonnenbraende geholt, die zwar unter der schwarzen Haut unsichtbar blieben, sich jetzt jedoch durch Hautabschaelungen bemerkbar machten. Und da soll es immer noch Leute geben, die glauben, nur Weisse bekommen Sonnenbraende.
26.10. - Mahitsy
Was wie ein unterdrueckter Schluckauf klingt, ist in Wirklichkeit der Name eines Ortes nahe Tana, in der "Provinz". Es scheint eine beliebte Beschaeftigung aller Tana-Bewohner zu sein, am Wochenenede der Stadt zu entfliehen und die Verwandten auf dem Lande zu besuchen. Und so waren auch wir eingeladen, eine Familie in Mahitsy zu besuchen. In weniger als einer Stunde ist man von Ivato in Mahitsy. Aber diese Stunde reicht, um in ein voellig anderes Madagascar zu gelangen!
24.10. - Rueckflug
Freitagmorgen war der Himmel Wolkenverhangen. Schlechte Voraussetzungen fuer Josh, der mit der MAF-Cessna heute in Marolambo landen sollte. Da es ihm nicht erlaubt ist, nach Instrumenten zu fliegen, musste er 2 Stunden in Tana warten, bis sich die Wolken hier lichteten und er seinen Weg zur Piste finden konnte. Insgesammt 1000kg Gepaeckt hatte er dabei, ein neuer Landerekord auf der Piste hier, der ohne Teer-Belag nie moeglich gewesen waere.
Ausgeladen war schnell, dann ging es wieder los, zurueck nach Tana. Der ganze Flug kam mir extrem realitaetsfremd vor: In 45 Minuten waren wir in Tana! Wozu wir mit dem Truck zwei volle Tage gefahren sind, braucht das Flugzeug weniger als eine Stunde!
22.10. - 24.10. Alles wird anders
Schon bei der Durchfahrt durch Marlomabo am Montag ist mir der leuchtende rote Punkt auf einem nahem Huegel aufgefallen. Am Tag danach dann stellte ich fest, dass es eine Handy-Antenne ist, DAS Gespraechsthema in Marolambo seit Tagen. In Betrieb war die Orange-Antenne allerdings noch nicht. Am Mittwoch Abend dann, wir schlendern gemuetlich durch das Dort, geschieht das unfassbare: Remi's Handy klingelt. Die Antenne ist in Betrieb. Ich war dabei beim ersten Anruf auf ein Handy in Marolambo. Fuer die Madagassen hier bricht eine neue Zeit an. Fuer mich endet eine Alte - und ich sehe langsam auch die letzten "unzivilisierten" und doch so schoenen Orte in Madagaskar verschwinden.
21.10. Ein Tag Wildnis
Nach der ersten Nacht in Marolambo in Camping-Zelten war es nun unsere Aufgabe, den Camp aufzubauen. Wasser von Fluss holen, die Wasserfilter aufstellen, Essen organisieren und das grosse Zelt aufstellen. Besonders stolz bin ich auf unser Klo (ohne Witz!). Wir mussten leider feststellen, dass sich die Sichtschutzplane davor unter der Sonneneinstrahlung in feinen Staub aufgeloest hat. Also haben wir Palmenblaetter, Bambusstaebe und einen fachkundigen Madagassen organisiert und uns eine wunderschoene Huette im lokalen Stil darum bauen lassen.
20.10. - Mahanoro - Marolambo
Kurz hinter Mahanoro, nach der letzten grossen Bruecke, endet der Teer-Belag der Strasse. Danach macht die Strasse eine Entwicklung von einer Schotter-Strasse ueber einen Feldweg bis hin zur schier unbefahrbaren Buckel-Piste mit metertiefen Loechern und Schlamm-Gruben. Aufgelockert wird das Ganze durch eine Flussueberquerung auf einem motorbetriebenen Floss (Bezahlung: 1.5 Liter Diesel pro Fahrzeug). Spaetestens nach der Faehre war die Zeit gekommen, den 4x4 Antrieb einzuschalten, und bis Marolambo ging es nicht mehr ohne. Die Strecke ist 140km lang. Losgefahren sind wir morgens um 7:00, angekommen kurz vor Sonnenuntergang um 17:30. Dies ergibt einen halsbrecherischen Schnitt von 13km/h. Und zum Teil hatte ich echt das Gefuehl, ein wenig zu schnell unterwegs zu sein fuer die Strassenverhaeltnisse. Eine Stunde vor Ankunft in Marolambo stellten wir dann auch tatsaechlich fest, dass die linke vordere Radfederung gebrochen war, allerding nicht so gravieren, dass wir nicht mehr weiterfahren konnten. Spannend wurde es bei der letzten Faehre in Marolambo: Auf der einen Flussseite gibt es einen Steg, um bequem auf das Boot fahren zu koennen. Auf der anderen Seite, der der Flugpiste zugewandten, gibt es nur Sandstrand und keine Moeglichkeit, das Boot festzumachen. Die Madagassische Loesung fuer dieses Problem sieht nun folgendermassen aus: Man befestige zwei Seile am Boot, eines links, eines rechts. Diese Seile nehmen dann jeweils 10 Leute in die Hand und halten sie mit aller Kraft fest. Zwei Planken werden im 45-Grad Winkel vom Boot auf den Sandstrand gelegt. Der Fahrer (ich) schuettelt ein letztes Mal verzweifelt den Kopf, legt den 1. Gang ein und faehrt langsam die Planken herunter. Kurz nachdem die Vorderraeder den Sandboden beruehren faengt die ganze Konstruktion an sich zu bewegen. Der Fahrer (immer noch ich, nur mittlerweile betraechtlich unter Adrenalineinfluss stehend) gibt Gas, saust dem Strand entgegen, setzt kurz mit der hinteren Stossstange auf den Planken auf und landet weich im Sand. Unter dem allgemeinen Applaus und Gejohle von 50 Madagassen faehrt er noch einige Meter, steigt aus dem Auto, sinkt in den Sand und geniesst das Leben und die Tatsache, das Auto nicht im Fluss versenkt zu haben.
19.10. - Fahrt nach Mahanoro
Morgens um 6:00 ging die Fahrt los. Den ersten Teil der Strecke nach Mahanoro kannte ich schon, es ist dieselbe neue Strasse wie zum Nationalpark von Andasibe. Auch der 2. Teil bis Mahanoro ist von aehnlich guter Qualitaet. Was dem Ganzen einen besonderen Reiz gegeben hat, war unser Auto: Ein Toyota Pick-Up ohne Servolenkung und mit 2 Tonnen Ladung hinten... am Abend spuert man jeden Meter in den Armen! Dank unseren zuegigen Tempo waren wir schon um 15:00 in Mahanoro und konnten uns fuer 2 Stunden am Strand auf die faule Haut legen. Mahanoro ist das letzte groessere Dorf vor der Offroad-Strecke nach Marolambo, weswegen wir noch einmal vor der Weiterfahrt am naechsten Tag volltanken wollten. Die einzige Tankstelle im Dorf war schnell gefunden. Auch der Tankwart war da... das einzige Problem war, dass der Tankstelle der Diesel ausgegangen war! Was fuer ein Glueck, dass wir noch zwei 25 Liter Kanister dabei hatten und uns selbst "betanken" konnten. Die 50 Liter sollten fuer die 120km-Strecke nach Marolambo reichen.
18.10. - Funkpause
Morgen frueh, Sonntag der 19.10 um 6:00 geht unsere Reise nach Marolambo los. Wenn alles planmaessig verlaeuft, bin ich am Freitag, 24.10. wieder zurueck in der Zivilisation. Bis dann!
17.10. - Mid-air collision
Eine kleine Meldung nebenbei aus dem Helimission-Hangar: Letzte Woche hatte der Helikopter der Mission eine Mid-Air-Kollision, also einen Zusammenstoss mit einem anderen Flugobjekt in der Luft. Das andere Flugobjekt war eine Ozean-Welle... der Pilot flog mit annaehernd 120km/h dicht ueber das Meer und wurde von einer ueberraschend hohen Welle getroffen. Die Nase des Helikopters wurde dabei betraechtlich beschaedigt, der Pilot konnte jedoch sicher wieder in Ivato Aeroport landen.
15.10. - Zurueck in den Busch
Ab heute ist es definitiv: Naechsten Sonntag werde ich zurueck nach Marolambo geschickt, in den Busch zum Flugpiste-bauen. Allerdings nur fuer eine Woche, am Samstag geht mein Flug zurueck. Die Hinfahrt werden wir mit dem 4x4 Truck bewaeltigen. Angekommen in Marolambo, werden wir die ersten Tage wohl damit verbringen, das Camp aufzusetzten und alles zu organisieren, damit eine Woche spaeter die Arbeiten an der Piste weitergehen koennen.
12.10. - Itosy
Sonntag waren wir zu einem Mittagessen bei den Eltern einer Arbeitskollegin von Tom eingeladen. Ihre Familie wohnt im Stadtteil Ihosy, einer eher doerflichen Gegend ein wenig ausserhalb des Zentrums. Es tat gut, die Stadt und ihre ewige Luftverschmutzung einmal hinter sich zu lassen und das Landleben zu geniessen. Und was ganz besonders toll war: Ueberhaupt nichts Ungewoehnliches geschah, weder unterwegs noch da, das Essen war toll, die Leute freundlich, die Busfahrt zwar lange (2 Stunden ein Weg) aber ohne Zwischenfaelle. Genial, dass so etwas auch noch moeglich ist.
11.10. - Der Mensch und der Madagasse
Am Samstag Mittag waren wir in der Stadt unterwegs. Zufaelligerweise sind wir dabei mitten in ein Konzert gelaufen. Im Stadtpark findet anscheinend ein Jazz-Festival statt, ueber mehrere Tage verteilt, der Eintritt ist kostenlos. Also haben wir uns ins Gras gesetzt, wie alle anderen auch, und den Auftritt der ersten Band abgewartet. Die kam dann auch ziemlich schnell, eine Amerikanische Gruppe, die Ska-aehnliche Musik darbot (der Zusammenhang zu Jazz ist mir leider auch entgangen). Hochmotiviert machten sich die Jungs ans Werk. Der Gitarrist hopste wie ein Verrueckter hin und her, stolperte ueber ein Kabel und raeumte das Keyboard mitsamt Pianist von der Buehne. Dann war wieder Stille...
Was danach einsetzte, war das groesste Lachkonzert, dass ich je erlebt habe. Der Mensch ist schadenfreudig - der Madagasse hat sich perfektioniert darin.
Nach 10 Minuten hatten sich alle wieder beruhigt und warteten auf den naechsten Auftritt (die Amerikaner hatten keine Lust mehr weiter zuspielen - angeblich hatte sich der Pianist an der Hand verletzt). Die naechste Band lies auf sich warten. Nach einigen Minuten kam ploetzlich Bewegung in die sitzenden Menschenmenge am anderen Ende des Parkes. Einige rannten in unsere Richtung los. Wie eine Welle breitete sich Panik aus und ueberall standen Menschen auf und rannten in dieselbe Richtung. Auch wir wurden mitgerissen. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich das Ganze dann wieder beruhigt und alle blieben stehen wo sie gerade waren und schauten sich verwirrt um... was der Ausloeser des Gerennes war, wusste keiner.
Wir jedenfalls hatten genug und machten uns auf den Weg nach Hause.
5.10. - Non-monetaere Bestechung
Nach einigen Stunden Erholung und Schlaf machten wir uns am Sonntag gegen Mittag auf den Weg, Play im Krankenhaus zu besuchen. Vorher bekam ich noch Besuch von seinem Chef, einem deutschen Heli-Pilot. Er gab mir eine gigantische Tasche voll mit Medikamenten und medizinischen Geraeten mit. Plays Arzt soll sich heraus suchen, was er fuer Play gebrauchen kann. Den Rest koenne er behalten... Dies wird seinen Heilungsprozess sicher auf die eine oder andere Weise beschleunigen.
Mit Tom nahm ich ein Taxi-Bus in die Stadt. Vor dem Krankenhaus waren wir dann etwas ratlos:
Gestern Nacht war uns gar nicht aufgefallen, wie riesig die Klinik ist, sie besteht aus 5 verschiedenen Trakten. Per Handy konnten wir einen Madagassen, der bei Play war, erreichen, er ist dann zum Eingang gekommen und hat uns den Weg zu Play Zimmer gezeigt.
Als Erstes wurden wir gleich zu dem behandelnden Arzt gebracht. Der bekam glaenzende Augen Angesichts der Auswahl an Medikamenten, die wir dabei hatten. Ein wenig kam in mir die Befuerchtung auf, dass sich der Arzt so "geschmiert" nur noch um Play kuemmern und die anderen Patienten vernachlaessigen wird...
Play selbst hing in seinem Zimmer (dass er mit 7 anderen Personen teilte und ca. 25m^2 gross war) an der Blutkonserve. Er war ziemlich geschwaecht, aber wach und gespraechig. Jeder zweite Satz beinhaltete "Thank you so much". Daneben erfuhren wir,dass die Operation gut verlaufen sei. Er habe jedoch viel Blut verloren gestern, meinte der Arzt. Das konnte ich ihm bestaetigen, sassen wir doch 2 Stunden hilflos daneben - nur muehsam konnte ich einige bissige ironische Bemerkungen gegenueber dem Arzt verkneiffen...
Nach einer Stunde machten wir uns wieder auf den Heimweg, beruhig dadurch, dass Plays Familienmitglieder gut fuer in sorgten und der Artz jetzt auch die eine oder andere Motivation dazu hatte.
4.10. - Anders
Angefangen hat diese tiefgehende, aber nicht sehr erfreuliche Lebenserfahrung am "Oktoberfest", einem von THB (Bierproduzent) organisiertem Konzert mitten in der Hautpstadt Antananarivo. Tom, ich und einige Magagassische Kollegen waren mit von der Partie. Die Musik war gut, die Stimmung ebenfalls. Mit der Zeit wurde es immer enger um uns, die Leute rueckten immer naeher. Ploetzlich spuerte ich, wie mir in die Taschen gegriffen wurde, von allen Seiten wurde versucht, uns um unser Geld zu erleichtern. Darauf waren wir vorbereitet (und hatten deswegen auch nichts in den Taschen), trotzdem wurde uns das Ganze zu Bunt, so dass wir uns gemeinsam Richtung Ausgang aufmachten. Was dann passierte, laesst sich schlecht wieder rekonstruieren. Wir standen relativ schnell vor dem Ausgang, allerdings fehlte Play, ein Madagasse. Per Mobil-Telefon konnten wir ihn dazu bringen, zum Ausgang zu kommen. Er stammelte etwas von Dieben, wegrennen und Polizei, dass er hingefallen ist (oder zu Fall gebracht wurde) und sich am Arm verletzt hat. Er blutete und war voellig ausser Kraefte. Sofort suchten wir ein Taxi, um ihn zum naechsten Krankenhaus zu fahren. Nach einigen Minuten fanden wir auch eines, was uns mit viel Gehupe und Vollgas zum Uni-Spital brachte, das einige Ecken weiter entfernt liegt. Dort angekommen, trugen wir Play in die Notaufnahme, wo er Erste-Hilfe-Maessig mit einem Druckverband versehen wurde (am Handgelenk schaute ein Knochen raus, und es blutete stark - laut der Krankenschwester war die Arterie verletzt). Dann ging die Drittwelt-Krankenhaus-Hoelle los:
Die Krankenschwester stellte uns eine Liste mit Medikamenten und Hilfsmitteln zusammen, die wir in der Krankenhaus-Apotheke kaufen muessen, um Play notduerftig versorgen zu koennen. Vorher koenne sie nichts machen. Also rannten wir los, durch verwinkelte dunkle Korridore, gelegentlichen Wegweisern folgend. Am Schalter der Notfall-Apotheke kam dann nach mehrmaligen nachdruecklichem Klopfen tatsaechlich eine Frau, die die Liste durchging und sagte, wir muessen erst beim Schalter nebenan bezahlen, bevor wir die Medikamente bekommen. Also kramten wir unser letztes Geld zusammen und klopften den Kassier am Schalter nebenan aus dem Schlaf. Mit der Quittung bekamen wir dann die benoetigten Medikamente. Jedoch nicht alle, nur die Haelfte. Die andere Haelfte muessten wir bei einem anderen Notfall-Schalter besorgen, die bekomme man nur da. Also rannten wir erneut los, auf der Suche nach dem anderen Schalter. Da ging dann die gleiche Geschichte nochmal von vorne los: Erst bezahlen, dann gibt es das Material.
Wieder zurueck in der Notfallaufnahme, mussten wir Play erst mal umbetten, zwei Zimmer weiter nach hinten. Hilfe gab es hierzu keine. In dem neuen Zimmer nahm sich ein Arzt kurz Play an. Den immer noch blutenden Arm band er mangels Band mit einem Latex-Handschuh ab. Dann ging ca. 1 Stunde lang gar nichts mehr. Wir sassen neben Play, redeten ihm gut zu, versuchten, die Blutung zu stillen und die immer groesser werdende Lache nicht seine ganzen Kleider durchnaessen zu lassen. Es gab weder fliessendes Wasser noch Tuecher noch sonst etwas nuetzliches im Zimmer.
Nach langem Warten dann kam der Arzt wieder, meinte, der Arm muesse opertiert werden, und stellte uns eine neue Liste mit Medikamenten und Geraeten fuer die OP zusammen. Erneut gingen wir damit zur Apotheke. Geld hatten wir nicht mehr viel. Am einen Schalter gelang es uns, die Identitaetskarte von Play gegen einige Medikamente einzutauschen. Sonst hatte keiner von uns einen Ausweis bei sich. Doch wir mussten auch noch zur anderen Apotheke, den Rest holen. Ohne Ausweis, ohne Geld standen wir davor und bettelten darum, die Medikamente vielleicht doch nur mit meiner Passkopie zu bekommen. Schlussendlich gab der Mann nach, nachdem wir noch einige laengst vergessenen hundert Ariary aus irgendwelchen Taschen gekramt hatten und auch noch drauf legten und unser heiligstes Ehrenwort gaben, das Geld morgen zurueckzuzahlen. Meine Hautfarbe hat bei den Verhandlungen wohl eine entscheidende Bedeutung gefuehrt.
Zurueck bei Play, ging dann ploetzlich doch alles ganz schnell. Die Narkose-Schwester nahm seine Daten auf und fragte ihn diverse Sachen aus, und dann wurde er in den Operationstrakt geschoben, nach 2.5 Stunden warten in der Notaufnahme. Seine Familie, die wir informiert hatten, traf kurz nach seiner Einlieferung in den OP-Saal ein. Zusammen warteten wir noch ca. eine Stunde vor dem OP-Saal, da sie der Meinung waren, ein Vazaha sei ein gutes Druckmittel fuer bessere Leistungen. Danach nahmen wir ein Taxi nach Hause. Um 4 Uhr morgens sank ich erschoepft ins Bett.
28.9. - Blechschaden
Auf dem Rueckweg von Andasibe fuhr ich eine kurze Strecke, bevor mich ein Mitfahrer abloeste. Dieser nahm es mit dem noetigen Abstand zum Vordermann nicht so genau, und nach ein paar Minuten passierte das Unvermeidliche: In einem Dorf bremste das Auto vor uns ab, um einem Hindernis auszuweichen, und wir rasselten mit maessiger Geschwindigkeit in sein Hinterteil. Der Schaden an unserem Auto war minimal, der an dem Vordermann jedoch eher groesser, die Stossstange hing runter, Ruecklicht zerbrochen und der Kofferraum war arg demoliert.
Natuerlich waren wir innert wenigen Minuten von Leuten umringt. Um dem Fahrer des anderen Wagens gar keine Moeglichkeit fuer dumme Gedanken (ha, ein Vazaha ist mir reingefahren, jetzt quetschen wir ihn aus) zu lassen, rief ich sofort Norbert an und ueberreichte dem Fahrer das Telefon. Was Norbert sagte, weiss ich nicht, jedenfalls hat es Eindruck gemacht. Der Fahrer wollte mit uns zusammen nach Tana zum Hangar fahren und die Sache dort regeln.
Kurz vor Tana dann teilte ich ihm mit, dass es keinen Grund gebe, jetzt zum Hangar zu fahren, wenn er am anderen Ende der Stadt wohne, da Sonntags eh keiner da ist. Er wollte jedoch unbedingt dorthin. Also ging die Fahrt weiter, kurz vor dem Flughafen montierte ich das Blinklicht auf den Wagendach und fuhr aufs Gelaende. Er blieb natuerlich an der Kontrolle haengen, was auch meine volle Absicht war. Wir halfen ihm, ins Gelaende reinzukommen, und gingen zum Hangar, wo gluecklicherweise gerade Paul und Roland als Gard arbeiteten, zwei Madagassen, die ich gut kenne. Mit einigem Redeaufwand gelang es uns, den schon sichtlich eingeschuechterten und nicht mehr so grossmauligen Fahrer auf Montag zu vertroesten.
Sein Geld fuer die Reparatur hat er dann auch gekriegt. Aber es war ganz bestimmt nicht die Ausbeute, die er sich erhofft hatte...
27. - 28.9 - Nationalpark Andasibe
Nach drei Wochen in Tana hatten wir genug von der Grossstadt, und beschlossen, am Wochenende wieder einmal einen Ausflug zu unternehmen. Der Nationalpark Andasibe liegt 3 Fahrstunden Oestlich von Tana und soll einer der schoensten Parks des Landes sein. Und genau da wollten wir hin.
Samstag Morgen ging es los. Die Strasse nach Andasibe ist perfekt (eigentlich ueberfluessig, zu erwaehnen, dass sie mit staatlicher Hilfe der Schweiz gebaut wurde...). Vor dem Park dann fanden wir ziemlich schnell einen Guide, der uns bei einer kleinen Fuehrung am Nachmittag einige Lemuren zeigte (und natuerlich erst mal fuer uns suchen musste), unter anderem auch den Indri, ein fast ein Meter grosses Tier.
Am zweiten Tag dann wagten wir uns in den noerdlich gelegenen, weniger gut erschlossenen Nationalpark Mantadia, immer noch in Begleitung desselben Guides. Hier fanden wir einen Urwald, wie man ihn sich als Europaeer vorstellt: Wild, verwachsen und nahezu undurchdringbar. Tiere gab es weniger zu sehen als am ersten Tag, dafuer war die Landschaft imposant.
22.9. - Seltsames Wetter
Seit ein paar Tagen ziehen jeden Abend kurz vor 5 Regenwolken auf, und um 5 faengt es an zu regnen. Die kleine Regenzeit nennt sich das, die ca. einen Monat vor der grossen fuer einige Wochen fuer feuchtes Klima sorgt, bevor es danach wieder heiss und trocken werden soll.
Auch heute sah es um 5 nach Regen aus, doch was dann kam, war heftiger: 5cm grosse Hagelkoerner prassten auf die trockene Erde nieder, und sintflutartige Regenfaelle folgten. Die Strassen sahen danach aus wie Schlamm-Kanaele. Die Schaeden an Gebaeuden und Fahrzeugen hielten sich wegen der kurzen Dauer in Grenzen, doch den Reis-Plantagen-Bauern rund um Tana hat das Wetter sicher keinen Gefallen getan.
12.9. - 13.9. - Antsirabe und Tana
In Antsirabe stand wieder einmal der uebliche Ausflug zum Kratersee Tsitsiva an. Auch nach zwei Besuchen dort kann ich ihn immer noch empfehlen, alleine der verschiedenen Grusel-Geschichten von ertrunkenen Vazahas wegen, die man dort zu hoeren bekommt. Auf dem Rueckweg nach Tana habe ich Karotten am Strassenrand eingekauft. Innerhalb von 2 Minuten sank der Karottenpreis, der mir die Gemuese-Frau anbot, um das 5-fache, allein dadurch, dass ich nicht bei ihrem Stand stehen blieb, sondern zum naechsten schlenderte und dort das Angebot in Augenschein nahm.
Nach einem Ausflug am Samstag in die Stadt war es am Abend so weit: Unser Urlaub war zu Ende, und fuer Franzi und Armin stand her Heimflug an. Mir selbst bleiben noch weitere 3 Monate hier in Madagaskar - sicher eine tolle Zeit, doch ein wenig Heimweh haben die beiden schon in mir geweckt, und ich freue mich auch schon auf die Zeit danach.
11.9. - Norberts Familie
Die Fahrt zu Norberts Familie fuehrte ueber eine "gute" Strasse. Nach 1.5 Stunden hatten wir unsere Erwartungen an eine "gute" madagassische Strasse wieder einmal ziemlich nach unten korrigiert. Unterwegs wurde ein kurzer Halt beim Familiengrab eingelegt, Norberts "Final Destination". Spaeter, endlich angekommen beim Wohnhaus, fuehrte uns Norberts Vater durch die ganze Gegend und machte eine "Nationalpark"-maessige Fuehrung, um uns zu zeigen, dass seine Heimat genau so schoen ist wie die ganzen Parks in Madagaskar!
Nach dem Mittagessen (Reis) gings wieder zurueck, diesmal mit 9 Leuten im Minibus (Norbert, Mutter, Vater, Schwestern, Sohn, unbekanntes Familienmitglied, Armin, Franzi, ich), spaeter sogar mit 10, da ein Mann zustieg, der seine Frau im Krankenhaus in Ambositra besuchen wollte.
In Ambositra leerte sich dann der Bus, und Norbert, Franzi, Armin und ich machten uns alleine auf den Weg nach Antsirabe, unser Urlaub naeherte sich dem Ende.
10.9. - Ronamafana
Der Nationalpark von Ranomafana ist bekannt fuer die vielen verschiedenen Lemuren-Arten, die hier leben. Innerhalb von 4 Stunden bekamen wir dann auch verschiedenste Tiere zu sehen, und auch ein Kamaeleon und ein Gecko waren dabei. Am Nachmittag fuhr uns Norbert weiter Richtung Norden nach Ambositra, um seine Familie besuchen zu gehen. Die obligatorischen Polizei-Kontrollen unterwegs bereiteten uns nur in einem Falle Probleme, und gluecklicherweise wohnte eine Bruder Norberts in der Naehe. Das Uebliche Verfahren setzte ein, und nach 45 Minuten hatte Norbert seine Papiere zurueck...
9.9. - Fianarantsoa - aber diesmal laenger
Wieder einmal in Fianarantsoa angekommen (fuer mich zum 4. Mal), hatte ich Lust, mal ein wenig laenger zu bleiben und auch einmal die Stadt zu besichtigen. Doch erst mal musste Geld gewechselt werden, Euro in Ariary. In der Banque of Africa wurde gerade umgebaut. In einer anderen war der Geldwechsel-Zustaendige grad nicht da. In der dritten dann fanden wir einen Schalter, an dem Geld gewechselt werden konnte. Einige Leute schienen darauf zu warten, an die Reihe zu kommen. Von einer Schlange konnte jedoch keine Rede sein, die Menschen standen wild durcheinander. Norbert wies mich darauf hin, dass ich meine Papiere (in meinem Fall eine Pass-Kopie) auf das Schalter-Brett legen soll. Und als ich das tat, fiel mir auch auf, dass da bereits eine Schlange aus Papieren lag, schoen arrangiert, und dass die Papiere bei jedem bedienten Kunden eins nach vorne rueckten.... Geduldig warteten wir also, bis meine "Papiere" nach vorne gerueckt waren und der Beamte nach einen "Monsieur Lucas" rief, und konnten dann tatsaechlich unsere Euro in lokale Waehrung umtauschen.
Der Stadtbesuch danach war dann nur halb so spektakulaer wie die Bank - aber die Aussicht von dem hoechsten Huegel recht beeindruckend. Am Abend fuhren wir die kurze Strecke von Fiana nach Ranomafana zum naechsten Nationalpark.
8.9. - Polizei-Kontrolle
Auf der Rueckfahrt vom Isalo-Nationalpark nach Fianarantsoa bleiben wir in einer der unzaehligen Polizei-Kontrollen haengen. Der Gendarm will die Papiere von Norbert nicht mehr herausruecken, sie seien "zu alt". Norbert zeigt sich aber unerweichlich in Bezug auf das offensichtliche Schmiergeld, das der Gendarm erwartet, und ruft seinen Bruder, ein hohes Tier bei der Polizei, an. Als dieser ran geht, drueckt er dem Gendarm das Handy in die Hand. Der Gendarm ist offensichtlich beeindruckt von dem, was Norberts Bruder zu sagen hat, und will Norbert die Papiere zurueckgeben. Inzwischen hat diese aber ein weitere Gendarm in Besitz, und der laesst sich in keiner Weise einschuechter, auch nicht von Norberts Bruder... Darauf beschliesst Norbert, ohne Papiere weiterzufahren, bis ins naechste Dorf. Dort arbeitet ein Freund eines weiteren Bruders von Norbert als Polizist. Diesen finden wir dann auch tatsaechlich auf dem Polizeiquartier. Kurzerhand packen wir ihn ins Auto, fahren zurueck zur Kontroll-Stelle, und mit einem militaerischen Gruss holt sich der Freund Norberts Papiere wieder zurueck... (wer sich jetzt fragt, wie viele Brueder Norbert hat, und wie viele davon bei der Polizei arbeiten: Die Antworten sind "ca. 6" und "alle".)
7.9-8.9. - Isalo National Park
Waehrend 2 Tagen erforschen wir den Nationalpark. Unser Guide hat einige recht amoesante Gewohnheiten: Wenn er uns einen Gegenstand zeigen will, auf den man in Madagaskar nicht mit dem blanken Finger zeigen darf (wie zum Beispiel ein Grad), klappt er den Zeigefinger einfach ein und zeigt mit gekruemmtem Finger auf die Stelle. Wir werden an natuerlichen Swimming-Pools, Wasserfaellen, Canyons und bizarren Felsen vorbei gefuehrt. Und natuerlich sehen wir einige Lemuren, die gemuetlich in den Baeumen herum haengen uns sich nicht im geringsten fuer uns interessieren...
6.9. - Und weiter gehts mit dem Minibus
Morgens um 9:00 holt uns Norbert, ein Madagassischer MAF-Mitarbeiter, beim Hotel ab. Seinen Vater, einen Lehrer in Pension, hat er auch noch gleich dabei, man soll die Sitzplaetze ja ausnutzen. Sein Auto sehe ich in dem Moment zum ersten Mal: Ein roter Minibus, der frueher auch einmal im Dienste der MAF war, diese guten Zeiten aber wohl schon laenger hinter sich hat... Aber kein Problem, meint Norbert, sie haetten ihn eine Woche vor unserer Reise repariert (Abends nach der Arbeit in der MAF-Garage), die Treibstoffpumpe sei kaputt gewesen, sie haetten aber eine aus einem anderen alten Schrott-Auto eingebaut, alles sei wieder in Ordnung. So be(un)ruhigt, machen wir uns auf den Weg nach Sued-Westen, zum Isalo-Nationalpark. Nach Fianarantsoa schlaengelt sich die RN7 wie eine Pass-Strasse die Berge hoch. Nach ca. 1 Stunde dann geht es wieder Bergab, und die Gegend wird flacher und gleicht immer mehr einer Wueste. Trockene Steppe und am Horizont einige bizarr aussehende Berge.
Mitten in dieser Einoede faellt uns auf, dass die Abdeckung des Motors bedenklich viel Dampf von sich gibt... Wir halten an und schauen mal nach dem Kuehlwasser. Eine Dampf-Wolke kommt uns entgegen. Komplett ueberhitzt... Wir kippen unsere letzten 2 Liter Trinkwasser ins Kuehlsystem und warten, bis sich der Motor wieder einigermassen abgekuehlt hat. Wasser muss her. Aber wie, mitten in der Wueste? Langsam fahren wir der Strasse entlang und halten Ausschau nach Stellen, wo sich vielleicht doch noch ein Bach verbergen koennte.
Nach einigen Minuten dann sehen wir eine vielversprechende Vertiefung am Horizont, und Norbert, sein Vater und Franzi machen sich auf den Weg, Wasser suchen zu gehen. 30 Minuten spaeter kommen sie auch tatsaechlich wieder mit Wasser zurueck! So gestaerkt, schafft unser Mini-Bus die restliche Strecke bis Ranohira locker, und wir kommen kurz nach Sonnenuntergang an.
5.9. - Rueckfahrt
Frueh am Morgen heisst es wieder einmal aufstehen und los zum Bahnhof. Vorher noch rasch ein wenig Fruehstuecken, als Kellner fungiert der Gaertner, da sonst noch kein Personal wach ist beim Hotel... Vor dem Hotel dann ein Schwarm von Pousse-Pousse-Fahrern. Gestern Abend hatte ich bei Gelegenheit schon mal eine Preisverhandlung mit einem von ihnen gefuehrt, und den Vorteil wollte ich natuerlich ausnutzen. Nur - welcher von denen war denn das noch mal gewesen? "C'est moi" sagt ungefaehr jeder (der Franzoesisch kann), darauf kann man sich also nicht verlassen.
Die Zugfahrt zurueck goennen wir uns 1. Klasse. Der Vazaha-Anteil ist hoch. Und der Bahnarbeiter traegt ein SBB-Uebergewand. Zum Glueck gibt es noch Fenster, durch die man den Bezug zum Land wieder herstellen kann, das man gerade durchquert. Zur Vorbeugung von Realitaetsverlusten sind da auch noch ein kurzer Halt mit Rueckwaertsrollen den Berg hinunter, das Rattern und Rumpeln der Raeder, das sich langsam doch ueberfuellende 1. Klasse Abteil, und natuerlich die endlosen Bahnhoefe mit Ich-Verkaufe-Alles-Menschen zu erwaehnen.
4.9. - Pircoque-Fahrt
Der Canal de Pangalanes ist eine von den Franzosen gebaute Wasserstrasse, die parallel zur Kueste entlang von Norden nach Sueden fuehrt. Im Gegensatz zum wilden Indischen Ozean hat er keinen grossen Wellengang und kann sicher befahren werden. Fuer uns Landratten also genau der richtige Ort, um eine kleine Schifffahrt zu unternehmen. Das Boot, dass wir dazu gemietet hatten, kam mitsamt 5 kraeftigen Ruderern daher, so dass wir uns nur noch zurueck lehnen konnten und die Gegend geniessen. Eine Vanille-Plantage-Besichtigung war auch noch in dem Programm enthalten. Natuerlich haben wir dabei auch einige Vanille-Staengel gekauft. Der intensiven Geruch hat uns auf dem Rest unserer Reise nie mehr ganz losgelassen...
3.9. - Manakara
Von meinen MAF-Arbeitskollegen vor schlechtem Wetter gewarnt, war ich dann doch rechts ueberrascht, wie sich Manakara uns darbot: Blauer Himmer, sommerlich heisse Temperaturen, heller Sandstrand mit Palmen und einen tiefblauen indischen Ozean. Man koennte die Gegend ohnen schlechtes Gewissen als paradisisch beschreiben... Entspannen nach der langen Zugfahrt war angesagt.
2.9. - Zufahrt nach Manakara
Nach einer kurzen Nacht machten wir uns frueh am Morgen auf den Weg zum Bahnhof. Unsere Plaetze im Zug konnten wir am Abend zuvor im Hotel reservieren lassen. Natuerlich reisten wir 2. Klasse, ich wollte Armin und Franzi ja zeigen, wie sich Madagaskar wirklich anfuehlt... Ihr erster Eindruck muss dann wohl "sehr eng" gewesen sein. Wir hatten zwar tatsaechlich unsere reservierten 3 Plaetze in einem 4er-Abteil. Nur dass ein 4er Abteil in Madagaskar locker Platz fuer 10 Menschen bietet (plus 2 Huehner, einige Reissaecke, Gepaeck, ...). Im Laufe der Zugfahrt kamen dann noch regionale Pordukte der Landwirtschaft dazu: Neben Mandarinen und Erdnuesse, Bananen und Papajas gab es noch viele andere, fuer mich leider nicht identifizierbare Gemuese, Fruechte und andere Dinge zu kaufen. Unser Abteil fuellte sich bei jeder Haltestelle aufs neue Produkten, ueber die durch das Zugfenster durch verhandelt wurde. Nach einigem Zoegern waren auch wir fleissig am Handel beteiligt, so dass wir bis zum Ende unsere 10-stuendigen Zugfahrt keinen Hunger leiden mussten. Mein letztes Kleingeld, 40 Aryary (ca. 24 Rappen), gab ich fuer 3 kleine Bananen aus.
1.9. - Taxi-Brousse nach Fianarantsoa
Sonntag Abend ist Armin mit dem Flugzeug angekommen, und die 2-woechige Reise in den Sueden konnte beginnen. Unsere erste Etappe bestand darin, ein Taxi-Brousse nach Fianarantsoa zu nehmen. Eine Woche zuvor hatte ich drei Plaetze reserviert, der Bus sollte um 7:30 losfahren. Meine Hoffnungen, dass sich die Leute noch an meine Reservation erinneren, beschraenkte ich dabei auf ein Minimum. Wichtig war mir, zu wissen, wann die Busse losfahren.
(Kurze Information ueber Taxi-Brousse: Diese Transportmoeglichkeit wird von privaten Gesellschaften angeboten, die hierzu meist Minibusse Japanischer Hersteller, in der Vergangenheit auch vor allem Renault Savien benutzen. Sie verkehren ausnehmlich auf Langstrecken. Ein Taxi-Brousse faehrt dann los, wenn es voll ist. Auf einer Strecke gibt es mehrere Anbieter. Dies fuehrt dazu, dass sich die Fahrer bei der Ankunft eines Reisewilligen bei der Taxi-Brousse-Station wortwoertlich darum reissen, welcher ihn mitnehmen darf. Um diese Situation vorzubeugen, habe ich versucht, unsere Plaetze vorzubuchen. Das Risiko hierbei ist allerdings, in einen leeren Bus zu geraten und Ewigkeiten zu warten, bis dieser losfaehrt...)
Frueh am Montag Morgen machten wir uns auf dem Weg zur Taxi-Brousse-Station. Hierzu nahmen wir der Bequemlichkeit halber ein Taxi, ein alter Renault 4, dessen Fahrer bei Bergabfahrten den Motor ausmachte, um Treibstoff zu sparen. Angekommen bei der Station, erlebte ich eine Ueberraschung. Dieses Land kann einem selbst dann ueberraschen, wenn man denkt, dieses Station ueberwunden zu haben. Kaum bei dem Taxi-Brousse-Anbieter angekommen, lieft mir ein Typ entgegen und schrie "Monsieur Luca, Monsieur Luca!". Ich sei bestimmt der Vazaha, der noch fehle, alle anderen Kunden seien schon da und der Bus bereit zum losfahren. Und tatsaechlich, nach nur einer Stunde fuhr der Bus los (nach hiessigen Verhaeltnissen also puenktlich). Ich war zugegeben ziemlich platt vor Ueberraschung.
Kurz vor Fiana dann wieder eine typisch Madagassische Situation: Der Fahrer haelt in einem kleinen Dorf vor dem Gemeindehaus, eine Frau aus dem Bus geht in das Gebaeude und kommt laengere Zeit nicht mehr raus. Der Rest der Passagiere steht ein wenig ratlos rum. Nach fast einer Stunde kommt die Frau wieder, alle steigen ein, und es geht weiter. Wie ich herausbekommen konnte, war die Frau die Schwester des Fahrers, die irgendwelchen Papierkram im Gemeindehaus erledigen musste... und die Gelegenheit genutzt hat, dass ihr Bruder mit seinem Taxi-Brousse direkt daran vorbei faehrt.
31.8. - Wie, schon Sonntag?
Vor unserer Rueckfahrt nach Tana besuchten wir noch die Verwandten von Paoly. Einige Schlagloecher von der "guten Strasse" entfernt, und ploetzlich laufen einem Kinder ueber den Weg, die noch nie im Leben einen Weissen gesehen haben. Der Kaffee war lecker, und ich war umso beindruckter, als mir Paoly die Muehle gezeigt hat, mit der er ihn gemahlen hatte. Wann schon bekommt man Gelegenheit, im Busch draussen frisch gemahlenen Kaffee zu geniessen?
30.8. - Bootsfahrt
Wenn man in Madagaskar schon mal einen grossen See findet, darf eine Bootsfahrt darauf natuerlich nicht fehlen. Paolys Familie nahmen wir gleich mit. Bei einem Zwischenstopp am Ufer brachten wir ihnen das Kartenspiel Uno bei. Franzi und ich sind uns einig, nie zuvor so viel Spass bei dem Spiel gehabt zu haben. Unglaublich, mit welcher Schadenfreude eine schwarze +4-Karte gelegt werden kann...
29.8. - Fahrt nach Mantasoa
Am Freitag ging es los nach Mantasoa fuer ein verlaengertes Wochenende mit Franzi, Paoly und seiner Familie. Hierzu hatte ich mir den MAF-Pick-up ausgeliehen. Die Fahrt auf der RN 2 in Richtung Tamatave kann man als angenehm bezeichnen. Nach der Abzweigung nach Mantasoa ging es dann allerdings mit landestypischeren Strassen weiter. Die Bezeichnung "gute Strasse" hat in diesem Land eine ganz andere Bedeutung als anderswo. Eine gute Strasse ist, wo man mit einem nicht-4x4 durchfahren kann. Und es ist kaum zu glauben, wo die Madagassen ueberall ohne 4x4 durchkommen!
In Mantasoa angekommen, ging die Hotelsuche los. Paoly fragte fleissig nach dem Weg, und als er einmal die Wegbeschreibung eines Anwohners trotz mehrmaligem Nachfragen nicht verstehen konnte, fand er es die einfachste Loesung, den Mann schlicht mitzunehmen und uns den Weg persoenlich von ihm zeigen zu lassen.
Vor dem so lange gesuchten und schlussendlich gefundenen Hotel "Chalet Suisse" verabschiedeten wir uns allerdings wieder fluchtartig, nachdem wir feststellten, dass nicht einmal fliessendes kaltes Wasser vorhanden war.
27. - 28.8 - Mora mora
Das Ganze langsam angehen - das war unser Motto, als meine Freundin Franzi hier in Madagaskar angekommen war. Es ist erstaunlich, wie ruhig gespraechige Leute werden koennen, wenn man sie an ihrem ersten Tag in Madagaskar durch einen belebten Mark fuehrt. Diesen Effekt konnte ich bereits zum zweiten Mal beobachten, das erste Mal mit Yves, dem neuen Schweizer Zivi, und nun mit Franzi. Die Sinne werden ueberflutet und stellen das Hirn auf Input-only um, um Ressourcen zu sparen - so meine technischen Erklaerungsversuche. Zum Glueck gab es am Abend dann etwas typisch Europaeisches zum entspannen: Pizza mit aus Deutschland eingeschmuggeltem Bio-Mozzarella, der es dank dem Laecheln meiner Freundin ueber saemtliche Zolle schaft.
25.8. - Kurze Sendepause
Die naechsten 2 Wochen bekomme ich Besuch von meiner Freundin und einem ehemaligen Sudium-Kollegen. Ich denke nicht, dass ich in dieser Zeit gross zum Schreiben kommen werde, bestimmt aber werde ich viele Fotos schiessen koennen. Ich bedanke mich also fuers fleissige mitlesen, und bis in 2 Wochen, in alter Frische und mit vielen neuen Eindruecken!
21.8. - Tana - Antsirabe - Fianarantsoa - Antsirabe - Tana
Wieder einmal hiess es am Wochenende, eine Ladung Jet A1 Treibstoff nach Antsirabe zu fahren. Doch damit der Fahrerei nicht genug: Anschliessend hatte ich die Gelegenheit, weitere 400km Richtung Sueden zu fahren, um einen Passagier nach Fianarantsoa zu bringen. Zurueck in Antsirabe, nutzten wir die kurze freie Zeit, um einen Vulkankrater-See in der Gegen zu besuchen. Viele Mythen ranken sich um das tiefblaue Wasser, und es ist unter Anderem verboten (Fady), im See zu baden oder Schweinefleisch in die Naehe des Sees zu bringen.
20.8. - Zu Besuch bei Paoly
Als Ausgleich zu den Ueberstunden am Wochenende nehme ich mir den Mittwoch frei. Endlich kann ich Paoly und seine Familie besuchen gehen, was ich schon lange geplant habe. Da ich den Weg nicht kenne, holt er mich um 10 Uhr ab, und wir machen uns gemeinsam mit dem Taxi-B auf den Weg. Unterwegs bleiben wir mit dem Taxi-Bus im Mittwochsmarkt stecken und brauchen fast 30 Minuten, um weiter zukommen. Von der Haltestelle sind es noch ca. 10 Minuten Fussweg bis zu dem Haus vom Paolys Familie, das auf dem hoechsten Punkt, direkt unterhalb der Wetterstation steht. Die Aussicht ist genial! Ich werde freundlich empfangen und gleich in die "gute Stube" gefuehrt, ein kleines Raeumchen, vollgestopft mit edlen Sachen wie ein Sofa, ein Wandbord mit Pozelantassen und Tellern, einem Tischen und anderem. Die Luft riecht penetrant nach Moebelpolitur. Ich hoffe, sie haben nicht ihr ganzes Geld fuer Putzmittel ausgegeben vor meinem Besuch...
Zu Feier des Tages (Paoly hatte heute Zahltag) gibt es eine Flasche Fanta aus dem naechsten Shop. Das Essen ist sehr lecker, verschiedenen Salate, Reis und Bohnen. Die Kinder vom Paoly, zwei Maedchen, sind sehr scheu, was allerdings meiner Erfahrung nach auf fast alle Madagassischen Kinder zutrifft, wenn sie Weisse sehen. Doch im laufe des Tages "tauen" sie merklich auf. Um 5 Uhr muss ich leider wieder gehen, um nicht in den aergsten Abendverkehr zu geraten.
17.6. - Sonntag an der Flugpiste
Am Morgen muessen wir frueh zum Flughafen, um die MAF-Cesna zu betanken. Mit der Handpumpe fuellen wir im Laufe des Tages 1200 Liter ins Flugzeug, das alle zwei Stunden von seinem Flug zurueckkehrt. Zwischendurch spielen wir Domino oder doesen vor uns hin. Um 4 Uhr geht der letzte Flug, wir fahren danach nach Tana zurueck. Jean-Felix kauft unterwegs einen Sack Holzkohle fuer Zuhause zum kochen, weswegen wir ihn direkt zu sich nach Hause chauffieren. Er laedt uns darauf in sein Haus ein, das ca. 30 Quadratmeter gross ist und in drei Raeumen eingeteilt ist. Im Schlafzimmer befindet sich ein Huehnerstall. Wenn er die Huehner draussen vor dem Haus laesst, werden sie gestohlen, meint Jean-Felix als Erklaerung. Wir muessen leider bald wieder gehen. Jean-Felix laedt mich jedoch ein, wieder mal vorbei zu kommen, sie werden Reis mit Gemuese und garantiert ohne Fleisch fuer mich kochen. Diese Einladung nehme ich natuerlich gerne an!
16.8. - Nachmittag in Antsirabe
Antsirabe macht einen surealen Eindruck auf mich. Saubere Strassen, herausgeputzte Gaerten und Haeuser, sogar eine Muelltrennungsstation findet sich. Der Bahnhof sieht aus wie eben erst fertig gestellt. Ein Blick dahinter offenbart jedoch die stillgelegte Bahnstrecke, von Gras ueberwachsen und schon lange nicht mehr benutzt. Aehnlich kulissenhaft wirkt der Rest der Stadt. Wir fragen uns zu unserer Uebernachtungsgelegenheit durch, der norwegischen Mission. Sie liegt zentral, gleich neben dem Hotel du Therme. Die Zimmer sind riesig, die Decken auf den Betten auch. Und wie wir in der Nacht merken, sind sie auch noetig, die Naechte koennen bitter kalt werden hier.
16.8. - Fahrt nach Antsirabe
Der Weg wie eine Spazierfahrt durch die Berge - Die Strasse kurvig, doch in einem Zustand, wie er wohl einmalig ist in Madagaskar. Ohne einige Schreckenssekunden ging die Fahrt dann aber doch nicht ueber die Buehne: Einige der LWK-Sattelschlepper haben die Neigung, betraechtlich auszuschwenken in Kurven. Ein Gelaendewagen, der auch mal mit den rechten Raedern im Strassengraben fahren kann, ist da von grossem Nutzen...
In Antsirabe waren wir auf die Auskunftsbereitschaft von lokalen Leuten angewiesen, da wir keine Ahnung hatten, wo sich der Flughafen befinde, und die Beschilderung in Madagaskar sich auf einem fast nicht-existenten Mass haelt. Die eine Strassenverkaeuferin wollte uns dann doch tatsaechlich nach Tana zurueck schicken ("Zum Flughafen? Ja klar, kenn ich, Air Madagascar, Antananarivo Ivato, in die Richtung, ca. 4 Stunden...). Schlussendlich fanden wir dann doch den Schotterweg, der zu der langen, staubigen Landepiste von Antsirabe fuehrt. Der Flughafen macht einen regelrecht abstrakten Eindruck, eine 1.5 km lange Piste, 2 kleine Hangars, viel Staub und einige Huehner - weit und breit keine Menschenseele.
15.8. - Alltag
Schon wieder eine Woche vorbei, die Tage rasen wie Provinzdoerfer an einem ICE-Fenster vorbei - oder, an madagassische Verhaeltnisse angepasst, wie ein volles Taxi-B zur Stossstunde an wartenden Leuten. Am Mittwoch Abend hatten wir Besuch, David und seine Familie. David ist ein Bauarbeiter, der in Marolambo mit geholfen hat, und hier in Tana gleich um die naechste Ecke wohnt. Seine Familie schienen bei der Ankunft in unserem Haus sichtlich verunsichert zu sein, von Weissen eingeladen zu werden. Andererseits wussten wir auch nicht recht, wie sich ein guter Gastgeber in Madagaskar verhalten soll... Trotz diesen Anfangsschwierigkeiten wurde es ein gelungenen Abend, Davids Familie verliess uns sichtlich gut gelaunt nach 3 Stunden wieder.
Heute, Freitag, ist oeffentlicher Feiertag in Madagaskar, sprich keine Arbeit. Den Tag verbrachte ich draussen im Garten, an der Sonne. Der Himmel hier im Madagassischen Winter hat ein tiefes, strahlendes Blau, und ich koennte stundenlang einfach nur da liegen und es betrachten.
Morgen Samstag muss ich mit Tilman mit dem Truck nach Antsirabe fahren, um dort vier 600-Liter Faesser Jet A1 (Flugzeugsprit) abzuliefern, eine Fahrt von ca. 5 Stunden. Anfaenglich dachten wir, dass uns ein Madagasse begleitet, doch eben haben wir erfahren, dass dieser das Flugzeug nehmen muss und wir auf uns allein gestellt sind. Kann ja nicht so schwer sein, so viele Strassen gibts hier nicht im Land - und ein Flughafen sollte auch nicht zu uebersehen sein, auch wenn er nur noch von privaten Flugzeugen angeflogen wird. Wir werden sehen - am Montag sollte ich zurueck sein, wenn alles gut laeuft...
10.8. - Sonntag auf dem Rova-Huegel
Meine WG-Kollegen waren heute morgen nicht wachzukriegen, und ich beschloss, alleine in die Stadt zu fahren. Zum ersten Mal fuhr ich selbststaendig Taxi-B und war dann auch extrem stolz auf mich, am richtigen Ort angekommen zu sein. Zwischendurch hatte ich einen kurzen Moment von Panik, als der Bus mitten in Reisfeldern hielt und alle ausstiegen... doch wie sich herausstellte, hatte der Fahrer nur keine Lust mehr, bis in die Stadt zu fahren, und uebergab die Passagiere an den naechsten folgenden Bus. Angekommen an der Endstation, machte ich mich auf den Weg zum Rova-Palast, dem weit sichtbaren hoechsten Punkt von Tana, einem grossen Gebaeude, dass sich nach einem Brand im Wiederaufbau befindet. Und da waeren wir auch schon bei dem kleine, aber feinen Problem: Dem hoechsten Punkt von Tana - nach 30 Minuten schweisstreibendem Wandern bei sommerlichen Temperaturen musste ich eine Pause einlegen. Ich wusste genau, welchen Bus ich nehmen koennte, um leichter und bequemer bis zum Palast zu fahren, aber das liess mir der Kopf wieder mal nicht zu. So kaufte ich einen Liter "Eau vive", und kletterte weiter. So weit war es auch gar nicht mehr. Oben angekommen, wurde ich von Guides empfangen, die mir alle eine Tour andrehen wollten. Der eine lud mich zu einem wunderbar leckeren kuehlen Fruchtsaft ein. Trotz meinen Beteuerungen, dass ich keine Fuehrung wolle, spendierte er mir den Drink.
Die Aussicht von oben ist wunderschoen. Neben dem Rova-Palast (Koenigspalast) befindet sich der Koeniginnen-Palast, den man besuchen kann. Beim Eintreten wollten mir die Angestellten natuerlich gleich den naechsten Guide andrehen, doch auch den lehnte ich mit einiger Muehe und Beteuerungen, ein armer Schlucker und kein Tourist zu sein, ab. Beim Eintreten in die erste Halle folgte mir ein Angestellter auf Schritt und Tritt, und ploetzlich faengt er an, mir saemtliche Gegenstaende und Hintergruende derselben zu erklaeren. Auf mein fragendes Gesicht meint er, er habe grad nichts zu tun und mache das kostenlos, er sei Restaurateur im Museum, und manchmal am Wochenende mache er auch Fuehrungen. Nach der offiziellen Fuehrung im Museum nimmt er mich noch mit in sein Atelier und zeigt mir seine Arbeit. Aus lauter Zufriedenheit gebe ich ihm am Schluss 1'000 Aryary, und vielleicht war auch genau das seine Absicht - aber egal, es war toll! (und 10 Mal billiger als ein offizieller Guide, die 10'000 Aryary verlangen...)
5.8. - 9.8.08 - Krank
Auch das kommt vor auf der Suedhalbkugel im Winter: Eine simple, langweilige Erkaeltung, vielleicht Grippe. Einen Tag lang Kopfschmerzen, eine Nacht Fieber, einen Tag Uebelsein, einen Tag erholen. Klingt ganz normal, wenn man es mit europaeischen Massstaeben betrachtet. Doch in einem Malaria-Gefaehrdeten Gebiet bekommen solche Symptome eine voellig neue Bedeutung. Sehr schnell werden von allen Seiten Laien-Diagnosen gestellt. Am schwersten ist dabei, einen klaren Kopf zu bewahren. Doch es bleibt dabei: Eine simple Erkaeltung, und heute, am 9.8, fuehle ich mich wieder topfit. Sogar fuer einen kurzen Foto-Ausflug zum Flughafen und danach in die Stadt hat es gereicht.
3.8.08 - Konzert
Nach dem Motto "nie aufgeben" beschliessen wir erneut, ein Konzert zu besuchen, in der Hoffnung, den Ort diesmal zu finden. Er liegt ein wenig ausserhalb der Stadt, trotzdem wollen wir die Fahrt mit dem Taxi-B wagen. Drei Mal muessen wir umsteigen, am Schluss 30 Minuten zu Fuss laufen, dann sind wir da: Eine Natur-Arena draussen im Nirgendwo, eine halbe Stunde von der naechsten grossen Strasse entfernt. Das Ambiente ist wunderbar, die Stimmung gemuetlich und freundlich. Es spielen Madagassische Pop-Bands, keinen hohen Anspruechen entsprechend, aber recht unterhaltsam. Nach 4 Stunden machen wir uns wieder auf die Heimreise. Es ist 6 Uhr, eine schlechte Zeit, um mit dem Taxi-B zu reisen. An der ersten Haltestelle finden wir mit viel Glueck einen Platz in einem der voll gestopften Busse. An der zweiten Umsteigestelle gelingt uns dasselbe durch Anwendung roher Gewalt. An der 3. ist Schluss, keine Chance mehr. Wenn ein Bus nur schon in die Strasse einfaehrt, befinden sich mindestens 20 Madagassen hinter ihm, in hohem Tempo rennend, um beim Halt an erster Stelle zu sein. Wir warten ein wenig, verlieren aber schnell die Geduld und setzten uns in eine Spelunke, um die Zeit zu ueberbruecken. Als Abenteuer gestaltet sich der Gang aufs Klo: Die Besitzerin der Bar fuehrt uns nacheinander durch enge, dunkle Gassen, und wir sind uns einig, dass sie uns vermutlich zu ihrem privaten "Klo" (Loch im Boden) gebracht hat, da die Bar gar keins besitzt. Nach 60 Minuten warten in der Beiz versuchen wir erneut, ein Taxi-B zu erwischen, und finden auch wirklich einen Bus bis nach Hause.
2.8.08 - Taxi-Fahrt
Am Abend versuchen Tom und ich, ein Reggae-Festival in der Stadt zu finden. Zufaellig entdecken wir dabei eine neue Route ins Zentrum, ohne den Bus wechseln zu muessen. Das Festival finden wir allerdings nicht... Um 8 beschliessen wir, nach Hause zu fahren, solange die Busse noch fahren. Doch auch nach 30 Minuten warten an der Haltestelle ist noch kein Bus aufgetaucht, die Fahrer scheinen schlicht keine Lust zu haben, am Samstag Abend auch noch zu arbeiten. Viele Madagassische Familien stehen ratlos an der Haltestelle rum, wir auch. Nach nochmaligen 20 Minuten beschliessen wir, das Taxi zu nehmen. Aber ganz unsozial wollen wir ja auch nicht sein, wir laden also eine Familie mit Mutter, Kleinkind, Tochter und Sohn ein, mit uns zu fahren, da sie dasselbe Ziel haben. Sie wirken verunsichert, folgen uns jedoch zur Taxi-Station. Die ersten paar Fahrer wollen unverschaemt viel, das Doppelte des ueblichen Preises. Wir lassen sie stehen und fragen uns weiter. Einer will schliesslich nur 15'000, Tom handelt ihn auf 12'000 runter, wir steigen ein. Die Familie ist sehr schweigsam, wirkt jedoch immer gluecklicher, je weiter die Fahrt geht. An ihrem Ziel angekommen, steigen sie aus und winken uns nach. Ein gutes Gefuehl.
31.7.08 - Abend in Tana
Ich treffe Paoly bei der Arbeit im Hangar, der Guard, der mit mir in Marolambo war. Wir beschliessen, nach der Arbeit in die Stadt zu fahren und ein wenig herumzulaufen. Er holt mich um 6 von Zuhause ab, und wir fahren mit dem Taxi-Bus weiter. Viele Leute sind unterwegs, da heute Schulabschlusspruefungen waren und alle am feiern sind. Um 9 muss ich mich auf den Heimweg machen, da bald keine Busse mehr fahren. Die Suche nach dem richtigen Bus gestaltet sich schwierig. Wir suchen die ganze Gegen ab, fragen uns durch. Zum Glueck ist Paoly noch da und hilft mir. Trotzdem koennen wir keinen Bus bis Ivato finden, sondern nur bis Talatamati. Das liegt auf dem Weg, ich verabschiede mich und steige ein. In Talatamati steigt der halbe Bus aus.
Ich gehe zur Strasse Richtung Ivato, viele Leute am warten an der dortigen Haltestelle. Ich spreche ein Paerchen an, ob noch ein Bus kommt.Sie wollen auch nach Mandrosoa und versuchen, Auto anzuhalten, da vermutlich kein Taxi-Bus mehr kommt. Ein kleiner Renault haelt. 10! Leute steigen innert 5 Sekunden ein. Ich auch. Der Fahrer meint jedoch "Tsi meti", die Haelfte muss wieder raus, ich bin leider auch dabei.
Wir warten auf die naechste Gelegenheit - da kommt ein Taxi-Bus, wohl der Letzte! Alles rennt los. Der Bus ist jedoch jetzt schon voll, alle Plaetze belegt. Also wird der Platz zwischen den Sitzen auch noch voll belegt. Auch der ist schnell weg, ich bin jedoch immer noch draussen... Aber der Fahrer meint, das gehe, noch 4 Leute mehr. Wir stellen uns auf das Trittbrett, halten uns am Auto und gegenseitig fest, und los gehts. Hintertuer offen, ca. 40 Leute in einem Minibus, ich auf dem Trittbrett, den Fahrtwind im Gesicht. Ob die Polizei keine Kontrollen mehr mache? Nein, nicht mehr um diese Zeit, ist der letzte Bus. Nach drei Haltestellen rufe ich "mish miala", ich will aussteigen, bin Zuhause. Der Fahrer verlangsamt (wozu halten), ich springe ab. Geschafft.
28.7.08 - Schmerz 2
Heute Abend beschliesse ich, nicht mehr laenger zu warten - Ich will auch meinen letzten Parasit im Fuss loswerden. Der Arzt wohnt gleich nebenan. Das Gleiche geht noch einmal von vorne los. Skalpell, schneiden, Schmerzen, Pinzette, Schneiden, noch mehr Schmerzen, noch mehr Schneiden. Der Punkt, an dem mein Koerper ausschaltet und einfach nur noch undefinierbaren Schmerzen empfindet, kommt diesmal schneller. Ich schwimme darin davon, lasse meinen Fuss und saemtliche Parasiten hinter mir. Schneller als erwartet ist der Arzt fertig und holt mich von meinem Schwerz-Trip zurueck. Ich humple nach Hause, noch nie war ich bei gleichzeitigen heftigen Schmerzen so gluecklich.
27.7.08 - Ausflug nach Tana
Trotz Schmerzen in beiden Fuessen beschliesse ich am Sonntag, einen Ausflug nach Tana zu machen. Tom begleitet mich, er ist schon 6 Monate hier und kennt sich recht gut aus. Wir besichtigen die Stadt, besuchen einen Park, in dem eine folkloristische Vorstellung im Gange ist (vermutlich fuer Touristen gedacht, doch wir sind die einzigen Weissen weit und breit - und die Madagassen haben ihren Spass!), durchqueren einen Markt und laufen anschliessend an den Reisfeldern entlang in Richtung Ivato, zurueck zum Guest-House. Es ist toll, entspannend und gemuetlich. Kein Vergleich zu Samstag.
26.7.08 - Parasiten
Parasiten - In Zukunft werde ich spezielle (schmerzhafte) Erinnerungen mit diesem Wort assoziieren. Heute Morgen fiel mir auf, dass ich an meinen Füssen mehrer grössere, weisse Blasen habe. In der Mitte befand sich jeweils ein schwarzer Punkt. Ich frage Michele, die nebenan wohnt, ob sie so etwas schon gesehen habe. Ein kurzer Blick, und sie identifiziert die "Hügel" als Parasiten, kleine Fliegen, die unter die Haut schlüpfen und sich am Fleisch sattessen. Solange sie dies tun, bemerkt der Körper nichts davon, doch nach 10-15 Tagen fangen sie an, Eier zu legen, und der Körper fängt an, auf den Fremdkörper zu reagieren. Die Dinger müssen raus, sobald die Hügel gut sichtbar sind, und das sind sie bei mir. Ich zähle insgesamt 5 Stück. Ein Doktor und eine Ärztin, Frau eines Heli-Piloten im Quartier, bieten sich an, mich von den Dingern zu befreien. Ich willige ein, setzte mich auf ihre Veranda und die zwei legen mit Skalpell, Schere und Pinzette an beiden Füssen gleichzeitig los. Keiner hat mich vor dem kaum auszuhaltenden Schmerz gewarnt. Die Parasiten sind nicht an der Oberfläche, sondern haben sich zum Teil tief ins Fleisch gefressen. Eine Betäubung lohnt sich nicht bei 4 verschiedenen Stellen am Fuss, ist zu teuer hier. Ich kann nicht mehr klar denken vor Schmerz. Der Mann der Ärztin, ein Heli-Pilot, dem ich mit seinem PC geholfen habe, versucht, mich mit Conjac abzufüllen, um den Schmerz erträglicher zu machen. Es hilft, nach einigen Minuten und 4 Gläsern kann ich mich nicht mehr auf den Schmerz konzentrieren, ich schwimme in einem See aus undefinierbarer Qual und Promillen...
Nach 2 Stunden sind die Beiden fertig. Die Fliegen, die sie entfernen konnten, sehen aus wie weisse, vollgefressene Würmer. Sie lagen zum Teil mehrer Millimeter unter der Haut. Sie sind zwischen 2-5mm lang und ca. 1mm dick. Eine ist immer noch in meinem Fuss, sie ist noch zu klein, um entfernt werden zu können. Scheisse. So habe ich mir meinen freien Samstag nicht vorgestellt.
Nachtrag: Die Parasiten werden von den Madagassen "parasy afrikana" genannt, verwandt mit den in Afrika bekannten Sandflöhen.
21.7-24.7.08 - Arbeit, Kalt und PC Schulung
Durch die Woche arbeite ich im Hangar der MAF, leiste PC Support, plane ein Softwareprojekt und gebe PC Schulungen für die Mechaniker und Logistik-Mitarbeiter. Die Grundkenntnisse sind sehr tief, wobei ich auf riesengrossen Wissensdurst stosse. Mit dem einen Logistik-Mitarbeiter nehme ich die Grundzüge von Netzwerken und Internet durch, doch langsam geht mein Wissen auch zuende. Zum Glück habe ich die alten Studium-Unterlagen auf meinem Notebook gefunden. Nächste Woche geht es damit weiter!
Zur Arbeit fahre ich mit dem Fahrrad, manchmal auch mit dem Taxi-B, einem Sammelbus, der alle paar Minuten vorbeifährt. Die Fahrt darin kostet 300 Ariary, 18 Rappen. Der einzige Nachteil an den Dingern ist der konstante Platzmangel!
Stromschwankungen sind recht häufig hier in Madagaskar. Sämtliche PCs sind an USV angeschlossen. Doch eines Morgens dauern die Störungen so lange an, dass sämtliche USV den Geist aufgeben und das halbe Büro nach mir schreit... doch was soll man da tun?
20.7.08 - Markt in Ivato
Am Sonntagmorgen wache ich früh in meinem Zimmer in Antananarivo auf, noch an die Weckzeiten im Busch gewöhnt. Ich schnappe mir das Fahrrad, das vor dem Haus steht, und fahre einfach mal los, Richtung Ivato, dem Stadtteil beim Flughafen. Ich durchquere das Zentrum und stehe auf der anderen Seite plötzlich mitten auf dem Markt. Ich befinde mich wieder in dem Madagaskar, das ich kenne und schätze: Gemütliche Menschen überall, kein Stress, und keiner quatscht mich blöd an. Ich schaue mich um, kaufe ein Brot (18 Rappen) und eine Ananas (36 Rappen). Danach fahre ich wieder nach Hause, beruhigt, mein Mada wiedergefunden zu haben.
19.7.08 - Rückflug und Ausflug nach Tana
Am Morgen mache ich noch einen kurzen Ausflug ins Dorf, um einige Fotos zu machen und mich von den Leuten zu verabschieden. Doch nach einigen Minuten muss ich mich schleunigst auf den Weg zur Landebahn machen, da das Flugzeug bereits im Anflug ist. Oben angekommen erfahre ich, dass der Pilot nur auf Zwischenstation ist und weiter bis zur Westküste und wieder zurück fliegt, um einige Nonnen nach Marolambo zu transportieren. Ich ergreife die Gelegenheit, frage den Pilot, ob ich mitfliegen kann, und geniesse einen Gratisflug zum Meer und zurück.
Zurück in Antananarivo (kurz Tana), treffe ich auf Dominik, meinen Mitbewohner im Guest-House. Sein Kumpel ist auf Besuch, und wir machen spontan einen Ausflug ins Stadtzentrum von Tana, gut eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt. Angekommen im Zentrum, bekomme ich meinen ersten Kulturschock hier in Madagaskar: Alles ist grundsätzlich anders als auf dem Land, die Stadt schmutzig, Lärmig und vor allem stinkig, extrem viele Leute, ständig werden wir von Verkäufern angequatscht. Ich bin froh, nach zwei Stunden wieder zurück im Guest-House zu sein.
17.7.08 - Schlamm-Profi
Nun weiss ich auch, wie sich ein Busch-Driver bei Regenzeit fühlt. Nach einigen kurzen Regenfällen am Morgen haben wir uns auf den Weg zum Steinbruch gemacht. Eine heikle Angelegenheit. Autofahren auch Matsch kann man vergleichen mit dem Versuch, auf einer mit Seife eingeschmierten Plane Ski zu fahren.. Ein habe ich dabei gelernt: Bremsen ist eine schlechte Idee. Blockieren die Räder einmal, ist es schwer, den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen. Wichtig ist:
Räder nie durchdrehen lassen,
Hinterräder sollten die Vorderräder im Idealfall nicht überholen und
... auf dem Weg bleiben...
Nach der ersten Fahrt fühlte ich mich 10 Jahre älter. Die 2. Fahrt war ok, die 3. hat saumässig Spass gemacht. Mit etwas Übung kann man rutschigen Untergrund sogar nutzen, um engere Kurven zu fahren - allerdings sollte man dabei beachten, die Strasse nicht vollkommen kaputt zu machen.
16.7.08 - Schlamm
Nach einer Nacht mit pausenlosem Regen sind die Strassen ein einziges Schlamm-Loch. Trotzdem versuchen wir, mit dem Car den Steinbruch zu erreichen. Es fährt sich wie auf Seife. Das Unvermeidliche tritt erst kurz vor dem Steinbruch ein: Wir stecken fest. Die Einheimischen helfen uns, den Truck anzustossen. Wir fahren zurück uns lassen die Truck-Fahrten erst mal bleiben... Mit dem Quad muss ich am Nachmittag jedoch nochmal zum Steinbruch fahren. Damit machen selbst die grössten Schlammlöcher Spass. Danach bin ich so schmutzig wie noch nie zuvor.
15.7.08 - Winter an der West-Küste
Winter in Madagaskar an der West-Küste auf ca. 800 M.ü.M von seiner abwechslungsreichsten Seite: Sintflutartige Regenfälle und heisser Sonnenschein wechseln sich im Minutentakt ab. Ich habe an einem Tag noch nie so viele Regenbogen gesehen.
14.7.08 - Regen
Schon mal während eines Platzregens unter freiem Himmel eine warme Dusche gehabt? Ich kann es nur weiter empfehlen! Fühlt sich an wie eine Ganzkörper-Kneipp-Kur mit wunderbarem Panorama. Duschen können wir hier mitten im Busch, da wir einen Dusch-Bag besitzen, ein Ding, dass man mit warmen Wasser (vom Feuer) füllt und an den nächsten Ast hängt.
13.7.08 - Ausflug
Es ist Sonntag, Zeit für einen Ausflug. Ich habe während der Woche Emil gefragt, ob er mir den Weg zu einem Wasserfall zeigt, und er ist pünktlich um 8 Uhr morgens da, um mich mitzunehmen. Unterwegs nehmen wir viele Abkürzungen, quer durch die Reisfelder, und Emil weist mich ständig auf irgendwelche tollen Dinge hin, die ich schlicht übersehen hätte. Wir sehen Bananenbäume, Mangobäume, Ananans, Palmen usw. Am Nachmittag gehen wir zurück und spielen noch einige Runden Domino im Camp, das beliebteste Spiel in Madagaskar.
12.7.08 - Sonnenaufgang
Am Morgen sehe ich meinen ersten Sonnenaufgang in Madagaskar. Bis anhin war der Himmel jeden Morgen Wolkenbedeckt, durch den Tag dann lösen sich die Wolken auf und es wird tropisch warm.
10-11.7.08 - 7 Tage
Seit einer Woche bin ich nun in Marolambo, und langsam fühle ich mich richtig wohl und "Zuhause" hier. Die Arbeit heute war wie immer ziemlich hart: Steine in Eimer füllen, rumschleppen und irgendwo wieder ausleeren. Assoziationen mit Sträflingslager kommen auf - aber zum Glück ist es nur für 2 Wochen. Am Nachmittag dann sind meine Fähigkeiten als "Busch-Driver" gefragt. Eine Gruppe von Scouts ist angekommen, um uns zu helfen, und zusammen mit ihnen mache ich mehrere Fahrten zum Fluss, um Sand aufzuladen. Am Abend bin ich total fertig - einen Truck mit 1.5 Tonnen Sand, 5 Passagieren und ohne Servo-Lenkung über Busch-Dreck-Strassen zu fahren, grenzt an Hochleistungssport. Noch schweisstreibender ist jedoch die Verantwortung über Mensch und Truck, die mir zu schaffen macht.
Eric hat seine Truck doch tatsächlich wieder zum Laufen gebracht. Er hat zwei alte Wellen genommen, auf die richtige Länge gebracht und durch eine Nut miteinander verbunden. Und das Ganze mitten im Busch - Respekt, aber lange kann das nicht halten. Bei meinen kommenden Mitfahrten mit dem grossen Truck werde ich wohl immer absprungbereit sein. Dies scheint übrigens generell keine schlechte Idee zu sein bei Überlandfahrten hier.
Am nächsten Tag mache ich 5 weitere Fahrten zum Steinbruch (jeweils ca. 15 Minuten). Langsam macht es richtig Spass, um die Kurven zu schlittern.
9.7.08 - Steinbruch
Am Morgen sind wir zwei Mal mit dem wieder laufenden Renault-Lastwagen zum Steinbruch gefahren. Unter Steinbruch versteht man hier ein Ort, an dem 3 Leute von Hand Steine am Zerklopfen sind und sie mit Drahtsieben nach Grösse sortieren. Auf der zweiten Rückfahrt bricht dem Lastwagen die Antriebswelle zum linken Vorderrad - Endstation. Wir laufen den Rest bis zum Camp. Zwei Stunden später kommt auch der Lastwagen nach, entladen und nur mit Hinterradantrieb den Berg hoch rasend - Eric, der Truck-Driver, legt sich erst mal hin und schläft eine Runde. Danach macht er sich an die Reparatur des Trucks. Er versucht, aus zwei alten Antriebswellen eine Neue zusammenzubasteln - "Bricolage".
Da der Lastwagen nun aus dem Spiel ist, muss der gelbe Toyota-Truck dran glauben. Ich bekomme eine 2-Minuten-Einführung ins 4x4 fahren im Busch, und los geht es. Das Fahren ist kein Problem, nur der 1. Gang verlässt manchmal das Getriebe an den dümmsten Stellen, in Kurven mit 45° Gefälle zum Beispiel... Ich bringe meinem Beifahrer bei, den 1. Gang bei Bedarf in Position zu halten, während ich fahre, und alles geht nun Problemlos *g*.
Am Abend dann wie immer der Gang zum Fluss und Baden. Ich geniesse diese Spaziergänge zum Fluss mit den madagassischen Arbeitern hier, langsam und gemütlich durch das Dorf, manchmal für einen Happen Zuckerrohr oder Manjoc haltend - gebackene Bananen schmecken einfach genial. Mit einem Lachen kann man in diesem Land fast alles erreichen, habe ich das Gefühl. Heute habe ich aus Versehen meine festen Wanderschuhe nach der Arbeit nicht gegen Turnschuhe getauscht. Ich ziehe sie also aus und laufe Barfuss zum Fluss. Ein "Vazaha" (Weisser), der barfuss geht - sowas hat man wohl noch nie gesehen hier im Dorf, die lachenden Gesichter überall geben mir jedenfalls dieser Gefühl...
8.7.08 - Besser
Heute soll um 12 ein Flugzeug landen. Schon um 10 ist der Camp am Rande der Piste mit Leuten überfüllt. Sie haben zwei Kranke mitgebracht, die mit dem Flugzeug nach Tana ins Krankenhaus gebracht werden sollen. Ab 11 können wir "leider" nicht mehr arbeiten, da jeden Moment das Flugzeug kommen kann. Ich setzte mich zu den Kindern, wir spielen
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... und ich verliere doch tatsächlich am laufenden Band...
Mit dem Flugzeug ist der Truck-Driver angekommen, Eric. Am Nachmittag versuchen wir, seine Renault Truck unten am Fluss zum Laufen zu bringen, scheitern jedoch, da jemand die Batterie gestohlen hat - auch ein Fass Benzin ist uns irgendwie abhanden gekommen.
Am Abend dann reparieren wir den anderen Truck, einen 4x4 Toyota Geländewagen mit grosser Ladefläche. Die Kupplung war defekt, so dass der ganze Motor ausgebaut werden musste. Mit dem Schaufelbagger versuchen wir, den Motor wieder in Position zu bringen und korrekt auf die Antriebswelle zu "stecken" - Laienhaft ausgerückt. Erstaunlicherweise ist es uns sogar gelungen! Nun haben wir wieder einen laufenden Truck - und ich soll ihn fahren morgen!
Am Abend breitet sich ein überwältigender Sternenhimmel über dem Camp aus. Im Dorf unten gibt es keinen Strom, so dass nach Sonnenuntergang keine Lichter die Sicht auf den Nachthimmel stören. Das Leben hier kommt zur Ruhe um 6 Uhr abends nach Sonnenuntergang und startet mit dem Sonnenaufgang um 6.30!
7.7.08 - Krank
Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir. Erst extreme Übelkeit, dann das Unvermeidliche: Erbrechen. Erste Ängste vor Malaria kommen auf. Doch 1. sind dies in keiner Weise typische Malaria-Symptome, und 2. gibt es in dieser Gegend keine Moskitos (es ist zu kalt). Am nächsten Morgen bin ich so gelangweilt vom ewigen rumliegen und nicht schlafen können, dass ich ein wenig bei der Arbeit mithelfe, obwohl mir immer noch übel ist und ich mich fühle wie nach einem Marathon. Am Nachmittag (nach einem weiteren Gang ins Gebüsch) dann die Erlösung: Vor dem Mittagessen schlafe ich ein, und als ich am Abend aufwache, geht es mir und meinem Magen schon wieder extrem viel besser. Essen kann ich zwar noch nichts, aber körperlich bin ich wieder auf dem Damm.
6.7.08 - Sonntag - frei
Zum ersten Mal habe ich Gelegenheit, mich ein wenig umzusehen hier im Marolambo und Umgebung. Ich packe also meine Rucksack, nehme meine Kamera und mache mich auf den Weg. Gestern habe ich viele Leute am Runnway vorbei einem Weg folgend in den Busch gehen sehen, also entscheide ich mich, diese Richtung einzuschlagen. Unterwegs begegne ich vielen Menschen, die mich freundlich Grüssen. Für weitergehende Kommunikation fehlt uns aber eine gemeinsame Sprache - Französisch wird hier eher selten gesprochen. Unterwegs sehe ich immer wieder Reisfelder und kleine Hütten. Nach einer Stunde dem Weg folgend und hinter jedem Hügel einen neuen findend gebe ich auf und kehre wieder zum Camp zurück.
Am Nachmittag beschliessen wir (Carlos, seine Frau Michele und ich), einen Ausflug nach Marolambo zu machen, ins Dorf. Den Fluss müssen wir mit einem Einbaum überqueren, danach noch ca. 20 Minuten gehen, dann ist man im Dorf. Mein erster Eindruck ist, dass Marolambo zu 50% aus Läden besteht, was mir Carlos auch bestätigen kann. Die ganze Provinz kommt her, um Sachen zu kaufen oder verkaufen. Wobei man sich unter einem Laden keinesfalls an die europäische Definition halten soll - ein Laden unterscheidet sich von einer normalen Holz-Hütte allein durch den Inhalt, und dadurch, dass die Türen weit offen stehen und irgendjemand einem von drinnen her angrinst.
Am Abend, nach unserer Rückkehr zum Camp, schauen wir eine DVD, die mit dem Flugzeug aus der Stadt angekommen ist. Carlos hat ein Notebook dabei, Strom gibts vom Generator. Innert 10 Minuten spricht sich im naheliegenden Dorf Maleotra herum, dass es eine "Kinovorführung" im Camp gibt. Nach 15 Minuten scheint das halbe Dorf unter dem grossen Zelt versammelt zu sein und guckt DVD.
5.7.08 - Arbeit und Fluss
An meinem ersten Morgen in Marolambo machen wir weiter mit den Vermessungsarbeiten. Danach bekomme ich Gelegenheit, mit dem kleinen Bagger ein wenig die Erde umgraben und einige Kies-Transporte mit dem grossen Bobcat von einem Ende der Piste bis ans andere zu machen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich solche Fahrzeuge fahre, aber trotzdem wäre ich dem Fahrzeug nicht zu nahe gekommen, wenn ich mich darin hätte fahren sehen. Doch damit ist es noch lange nicht zu Ende, es stehen noch 2 Quad-Bikes rum, und auch damit will gefahren werden... so lerne ich an einem Tag auch noch dieses Gerät (naja, eher Spielzeug) zu bedienen und fahre damit zum Fluss. Nach dem Bad im Fluss habe ich so viele Mückenstiche an den Beinen wie ich vorher kaum für möglich gehalten habe. Aber des Spass war es wert!
Die Köchinnen hier im Camp haben mitgekriegt, dass ich Vegi bin, und nach anfänglichem Unglauben kriege ich nun bei jedem Essen eine Extraportion für mich. Der Witz des Tages war, dass ich auch bei einer vollständig vegetarischen Mahlzeit für alle (Fleisch ist teuer) einen kleinen, eigenen Napf vorgesetzt bekommen habe - mit exakt dem gleichen Inhalt wie für alle anderen auch...
4.7.08 12:00 - Ankunft und erster halber Arbeitstag in Marolambo
Erster Eindruck: Eine lange, breite Piste, die zu ca. 1/3 aus Teer, 1/3 groben Steinen und 1/3 aus Dreck besteht. Der Camp daneben ist recht professionell eingerichtet, Generator für Strom, Auto-Batterien, die dazwischen die Stromversorgung sicherstellen. Ein grosses Planen-Zelt und mehrer kleine daneben.
Das halbe Dorf schien gekommen zu sein, um die neu angekommenen in Augenschein zu nehmen. Viele Kinder. Nach dem Abflug des Flugzeuges verschwanden sie jedoch ziemlich schnell wieder.
Die Arbeit bestand aus Pisten-Vermessung mit einem Tripod. Es befinden sich 4 Madagassische Arbeiter im Camp, Paul, David, Jeanomme und Dinu. Carlos ist der Chef des ganzen Camps, ein weisser Mitarbeiter von MAF. Seine Frau ist zu Besuch bei ihm, zusammen mit mir sind wir also drei Weisse im Camp.
4.7.08 10:00 - Flug nach Marolambo
Der Flug nach Marolambo verlief ruhig (im Vergleich zum Test-Flug vorher). Dank des wunderschönen Wetters konnte ich einige tolle Fotos schiessen. Vor Marolambo legte der Pilot einen Zwischenstopp auf einer recht "hügeligen" Landepiste ein. Ein Schweizer würde diesen Fleck Gras wohl eher als Bergwanderpfad denn als Landepiste bezeichnen...
4.7.08 6:00 - Test Flug
Am Morgen vor meinem Abflug nach Marolambo bot sich die Gelegenheit, bei einem Test-Flug mit zufliegen, was ich natürlich nutzte. Die Aussicht war toll, ebenso die Flugmanöver - wann sonst führt ein Pilot gleich drei "Zero-Gravity-Flights" hintereinander durch... gut, hatte ich keine Zeit gefunden, vorher zu Frühstücken.
2.7.08 - Angekommen
Nach einem mit viel Rumstehen verbrachten Tag habe ich gestern Abend um 22:45 Madagassischen Boden erreicht. Viel war nicht zu sehen davon (da dunkel...). Heute bei der Arbeit habe ich dann erfahren, dass ich wohl schon sehr bald Gelegenheit bekomme, mehr von Madagaskar zu sehen als auf dem kurzen Stueck zum Wohnhaus und zurueck: Am Freitag solls los gehen in den Busch, Landebahn bauen helfen. Fuer 2 Wochen werde ich vom Rest der Welt abgeschnitten sein und Landschaft (oder Teer-Geruch der Baumaschinen, wenn man meinem Chef hier glauben will) geniessen koennen.
30.6.08 - Tag vor dem Abflug
Es ist soweit: Morgen werde ich diesen Kontinent verlassen, mit Ziel Madagaskar. Möglich, dass ich da ein wenig Bloggen werde, so wie jetzt. Vielleicht auch nicht. Zumindest regelmässig Bilder hochladen habe ich mir vorgenommen. Vorgenommen, wohlgemerkt. Es kann also spannende werden, und das bin ich im Moment auch. Bis bald mal, ich lass von mir hören!